Kann die Erde in eine neue Eiszeit eintreten?
Astronomische Milanković-Zyklen, die Verschiebung durch menschliche Treibhausgase und die reale Gefahr eines Golfstrom-Kollapses.
Während die Menschheit derzeit mit steigenden globalen Durchschnittstemperaturen ringt, stellt sich aus erdgeschichtlicher Perspektive eine faszinierende Frage: Müsste die Erde nach den natürlichen Rhythmen der vergangenen Jahrmillionen nicht bald in eine neue Kaltzeit übergehen?
1. Was Eiszeiten steuert: Die Milanković-Zyklen
Natürliche Eiszeiten werden durch periodische Veränderungen der Erdumlaufbahn um die Sonne angetrieben (Exzentrizität der Bahn, Neigung der Erdachse und Präzession). Treffen günstige astronomische Konstellationen zusammen, bleiben die Sommer auf der Nordhalbkugel zu kühl, um den Winterschnee zu schmelzen – gigantische Eisschilde beginnen zu wachsen.
2. Der Mensch hat die nächste Eiszeit abgesagt
Nach Modellrechnungen renommierter Klimaforscher hat der massive Anstieg der Treibhausgase seit 1850 den Beginn des nächsten natürlichen Glazials um mindestens 50.000 bis 100.000 Jahre in die Zukunft verschoben. Eine globale Vereisung ist auf absehbare Zeit unmöglich.
3. Das AMOC-Paradoxon: Kälteschock für Europa
Es gibt jedoch ein beunruhigendes Szenario: Schmelzen die Polkappen zu schnell ab, verdünnen gewaltige Süßwassermengen den Nordatlantik. Dadurch könnte die atlantische Umwälzzirkulation (AMOC / Golfstromsystem) kollabieren. Während der Rest der Erde heißer wird, würden die Durchschnittstemperaturen in Nord- und Westeuropa drastisch sinken – ein eisiges Paradoxon im Herzen der Erderwärmung.